Am 01. Dezember 2025 lud der Projektverbund Community Empowerment gemeinsam mit dem Moscheenetzwerk Mitte und Reinickendorf zur Fachveranstaltung „Unser Sozialraum, unsere Verantwortung: Wie wir Teilhabe für alle fördern“ ein. Veranstaltungsort war das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung e.V. (IZDB) in Berlin-Mitte.
Im Zentrum des Abends stand die Auseinandersetzung mit Antimuslimischem Rassismus (AMR) und dessen Auswirkungen auf die Teilhabe von Muslim*innen im Sozialraum. Ziel der Veranstaltung war es, bestehende Strukturen zu hinterfragen, Erfahrungen hörbar zu machen und gemeinsam konkrete Lösungsansätze für eine gleichberechtigte Teilhabe zu erarbeiten.
Das Leitmotiv des Abends lautete dabei: „Miteinander sprechen, nicht übereinander“. Dieser Ansatz wurde gewählt, um Potenziale der Zusammenarbeit zu nutzen und einen echten Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung und Wissenschaft zu ermöglichen.
AMR als Strukturelles Problem
Den inhaltlichen Auftakt bildete ein umfassender Impulsvortrag von Prof. Dr. Zülfukar Çetin (Evangelische Hochschule Berlin). Er ordnete Antimuslimischen Rassismus als eine Form des „kulturalistischen Rassismus“ ein, bei dem vermeintliche kulturelle Differenzen genutzt werden, um Ausgrenzung zu legitimieren. Besonders eindrücklich waren die präsentierten Daten: Unter Bezugnahme auf aktuelle Erhebungen (z. B. CLAIM Allianz 2024) verwies er auf einen drastischen Anstieg dokumentierter Vorfälle (+60 % im Vergleich zum Vorjahr). Zudem beleuchtete er die massiven psychischen und sozialen Auswirkungen auf Betroffene – von chronischem Stress und Angst bis hin zu einem Verlust an institutionellem Vertrauen.
Ergänzt wurde diese wissenschaftliche Einordnung durch einen zweiten Impuls von Alioune Niang (SchlaU-Werkstatt für Migrationspädagogik), der die Brücke zur pädagogischen Praxis schlug.
Kleingruppenarbeit: Diskriminierung einordnen und benennen
Im Anschluss an den Vortrag erprobten die Teilnehmenden in Kleingruppen, verschiedene Diskriminierunsbeispiele einzuordnen und konnten eigene Erfahrungen besprechen. In diesen Workshops, die vom Team von Community Empowerment angeleitet wurden, wurde deutlich, wie wichtig es ist, über Rassismuserfahrungen sprechen zu können und Anerkennung einzufordern.
Perspektivwechsel durch Interaktion
Ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung war neben den Vorträgen die aktive Einbindung der Teilnehmenden. In interaktiven Formaten, wie beispielsweise der Arbeit mit einer „Diskriminierungsskala“, wurde der Raum für Selbstreflexion und Perspektivenwechsel geöffnet. Diese Methoden regten zu intensiven Gesprächen an und verdeutlichten, wie unterschiedlich Diskriminierung im Alltag wahrgenommen wird.
Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion, bei der die Impulse des Abends politisch und praktisch eingeordnet wurden. In dieser Runde diskutierten Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger und die Referenten Prof. Dr. Zülfukar Çetin und Alioune Niang gemeinsam mit Rebea Malik, einer langjährigen Ehrenamtlichen aus der IZDB mit viel Erfahrung aus Dialogprojekten, wie dem Religionscafé Der Austausch zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft verdeutlichte, dass der Abbau von Barrieren im Sozialraum eine gemeinsame Verantwortung ist, die nur durch enge Zusammenarbeit gelingen kann.
Resümee
Die hohe Teilnehmerzahl und die engagierten Diskussionen, die auch beim anschließenden Ausklang fortgeführt wurden, zeigten deutlich den großen Bedarf an solchen Austauschformaten. Das Feedback der Anwesenden bestätigte, dass die Vernetzung von Akteur:innen im Sozialraum ein entscheidender Schlüssel ist, um Diskriminierung wirksam entgegenzutreten.
Wir danken allen Teilnehmenden für ihr Kommen und die konstruktiven Beiträge sowie unseren Referent:innen für ihre Expertise.




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