Geschlechterunterschiede in der Medizin: Rückblick auf unseren Programmabend zum Gender Health Gap

Am Freitag, den 26. Juni 2026, fand in der Islamischen Gemeinde Spandau unser Programmabend „Geschlechterunterschiede in der Medizin“ statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Krankheiten bei Frauen anders erkannt, ernst genommen und behandelt werden und welche Folgen das für eine gerechte Gesundheitsversorgung hat.

Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projekts Muslimische Gemeinden in Bewegung organisiert und bot Raum für fachliche Impulse, Austausch und gemeinsame Reflexion. Gemeinsam mit Expert*innen aus Medizin und Forschung wurde beleuchtet, wie sich geschlechtsspezifische Unterschiede in Forschung, Diagnostik und Behandlung auswirken können.

Zum Einstieg wurden die Teilnehmenden durch ein interaktives Quiz an das Thema herangeführt. Anhand konkreter Beispiele aus Forschung und medizinischer Praxis wurde sichtbar, wie unterschiedlich Symptome, Diagnosen und Behandlungen je nach Geschlecht wahrgenommen und bewertet werden können. So wurde der Gender Health Gap direkt greifbar und als Thema erfahrbar, das konkrete Auswirkungen auf Gesundheitsversorgung und Behandlungschancen hat.

Im anschließenden Impulsvortrag gab Angelina Iussa, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschlechterforschung in der Medizin der Charité Berlin, einen Einblick in zentrale Ursachen und Folgen des Gender Health Gap. Sie zeigte auf, dass medizinische Forschung historisch und teilweise bis heute häufig am männlichen Körper orientiert ist. Dadurch werden Symptome und Beschwerden bei Frauen oft später erkannt oder nicht ausreichend ernst genommen. Beispiele wie Herzinfarkt, ADHS, Endometriose oder chronisches Fatigue-Syndrom verdeutlichen, wie eng Forschungslücken, Stereotype und Versorgungspraxis miteinander verbunden sind.  

Auch wurde besprochen, dass nicht nur Geschlecht eine Rolle spielt. Auch Hauttyp, Kultur, Religion, Behinderung, Ethnizität sowie sexuelle Orientierung und Identität können Einfluss darauf haben, wie Symptome wahrgenommen, Diagnosen gestellt und Behandlungen angeboten werden. Vorannahmen und Stereotype können dazu führen, dass medizinisches Personal Beschwerden als „zu dramatisch“, „psychisch“ oder weniger relevant einordnet.  

Der Tag der offenen Moschee bot in einer  angenehmen Atmosphäre viele Gelegenheiten für Austausch und Begegnungen. Insgesamt konnten wir in den drei Bezirken rund 200 Gäste willkommen heißen, darunter Nachbar:innen, Vertreter:innen verschiedener Institutionen und natürlich die Mitglieder der Gemeinden selbst.

In der Gruppenphase wurden die Themen vertieft. Die Teilnehmenden setzten sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinander: Expertise über den eigenen Körper, Machtgefälle in Therapien sowie Diskriminierungserfahrungen von Frauen beim Arztbesuch. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, Patient:innen ernst zu nehmen, Erfahrungswissen anzuerkennen und Beratungs- und Behandlungsräume diskriminierungssensibel zu gestalten.

Der Abend machte sichtbar: Eine gerechte Gesundheitsversorgung braucht Forschung, Diagnostik und Beratung, die unterschiedliche Körper, Lebensrealitäten und gesellschaftliche Hintergründe berücksichtigt. Dazu gehört auch eine stärkere Sensibilität für Diskriminierungserfahrungen von Frauen und für die Frage, wer im Gesundheitssystem gehört, ernst genommen und angemessen behandelt wird.

Wir danken allen Referent*innen, Beteiligten und Teilnehmenden für den offenen Austausch und die wichtigen Impulse.


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